
Errichtung einer mörtellosen Betonfundamentmauer: Eine praktische Anleitung
Planung und Vorbereitung des Fundaments
Der Bau einer mörtellosen Betonfundamentmauer, oft auch als Trockenstapelmauer bezeichnet, ist eine effiziente Methode, um eine stabile und langlebige Stützmauer oder ein Fundament für kleinere Bauten wie Schuppen, Garagen oder Anbauten zu errichten. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass die Betonblöcke ohne traditionellen Mörtel zwischen den Fugen verlegt werden. Die strukturelle Integrität wird stattdessen durch eine spezielle Oberflächenbeschichtung und eine interne Bewehrung gewährleistet. Bevor jedoch der erste Stein gesetzt wird, ist eine sorgfältige Planung und die Vorbereitung eines einwandfreien Fundaments unerlässlich.
Die Bedeutung eines soliden Fundaments
Jede Mauer ist nur so stark wie ihr Fundament. Bei einer mörtellosen Betonmauer bildet ein gegossener Betonfundamentstreifen (auch Streifenfundament genannt) die Basis. Dieses Fundament muss mehrere Kriterien erfüllen:
- Ebene Oberfläche: Die Oberseite des Fundamentstreifens muss absolut waagerecht sein. Schon geringe Abweichungen in der ersten Steinreihe potenzieren sich über die Höhe der Mauer und können die Stabilität erheblich beeinträchtigen.
- Korrekte Dimensionierung: Die Breite des Fundaments sollte mindestens doppelt so breit sein wie die verwendeten Betonblöcke. Die Tiefe muss unter die lokale Frostgrenze reichen, um ein Anheben der Mauer durch gefrierenden Boden (Frosthub) zu verhindern.
- Aushärtung: Das Betonfundament muss vollständig ausgehärtet sein, bevor die Mauer darauf errichtet wird. Dies dauert je nach Wetterbedingungen und Betonmischung in der Regel mehrere Tage bis Wochen.
Informieren Sie sich unbedingt über die lokalen Bauvorschriften. Für Fundamentmauern sind oft Baugenehmigungen erforderlich, und es gibt spezifische Anforderungen an die Dimensionierung des Fundaments und die Art der Bewehrung.
Benötigte Materialien und Werkzeuge
Stellen Sie sicher, dass Sie alle Materialien und Werkzeuge vor Beginn der Arbeiten zur Hand haben. Eine gute Vorbereitung spart Zeit und verhindert Unterbrechungen. Materialien:
- Beton-Hohlblocksteine der gewünschten Größe
- Oberflächenhaftzement (Surface-Bonding Cement) – eine spezielle Mischung mit Glasfasern
- Bewehrungsstahl (Stabdurchmesser je nach statischer Anforderung, oft 10-12 mm)
- Vergussbeton oder Vergussmörtel zum Füllen der Hohlblockkerne
- Gegebenenfalls eine kleine Menge Standard-Mauermörtel für die erste Schicht
- Wasser
- Schaufel, Spitzhacke und Schubkarre für Erdarbeiten
- Maßband und Zimmermannswinkel
- Wasserwaage (mind. 120 cm Länge) und Maurerschnur
- Gummihammer zum Ausrichten der Steine
- Mischwanne oder Eimer zum Anmischen des Zements
- Bohrmaschine mit Rührquirl
- Glättkelle und Spachtel zum Auftragen des Oberflächenhaftzements
- Winkelschleifer mit Diamanttrennscheibe oder Maurerhammer zum Schneiden der Blöcke
Die erste Steinreihe: Der Schlüssel zum Erfolg
Die erste Reihe von Blöcken ist die kritischste Phase des gesamten Projekts. Nehmen Sie sich hierfür ausreichend Zeit, denn Fehler in dieser Schicht lassen sich später kaum noch korrigieren.
Das exakte Ausrichten der ersten Schicht
Obwohl es sich um eine „mörtellose“ Mauer handelt, wird für die erste Schicht oft eine dünne Schicht traditionellen Mörtels (ca. 1-2 cm dick) auf das Betonfundament aufgetragen. Dies dient nicht primär der Verbindung, sondern ermöglicht es, kleine Unebenheiten im Fundament auszugleichen und die Blöcke perfekt waagerecht auszurichten.
- Beginnen Sie mit den Eckblöcken. Setzen Sie diese in das Mörtelbett und richten Sie sie mit der Wasserwaage exakt aus – sowohl in der Länge als auch in der Breite.
- Spannen Sie eine Maurerschnur straff zwischen den Außenkanten der Eckblöcke. Diese Schnur dient als präzise Führungslinie für alle weiteren Blöcke der ersten Reihe.
- Setzen Sie die restlichen Blöcke entlang der Schnur in das Mörtelbett. Klopfen Sie sie mit dem Gummihammer vorsichtig auf die richtige Höhe und Position. Überprüfen Sie jeden einzelnen Block mit der Wasserwaage.
Einsetzen der vertikalen Bewehrung
Die vertikale Bewehrung verleiht der Mauer ihre Widerstandsfähigkeit gegen seitlichen Druck (z. B. durch Erdreich). Die Bewehrungsstäbe werden direkt im Fundament verankert. Bohren Sie hierfür Löcher in das ausgehärtete Fundament oder setzen Sie die Stäbe bereits beim Gießen des Fundaments ein. Der Abstand der Stäbe richtet sich nach den statischen Anforderungen und den Bauvorschriften (oft alle 80-120 cm). Die Stäbe müssen so positioniert sein, dass sie durch die Hohlräume der darüber liegenden Blöcke geführt werden können.
Aufbau der weiteren Mauerschichten (Trockenstapeln)
Nachdem die erste Schicht perfekt ausgerichtet ist und der Mörtel angezogen hat, beginnt das eigentliche Trockenstapeln. Dieser Prozess ist deutlich schneller als traditionelles Mauern.
Das Prinzip des Trockenstapelns
Legen Sie die Blöcke der zweiten Reihe direkt auf die erste Reihe, ohne Mörtel dazwischen. Das Wichtigste hierbei ist der Läuferverband. Das bedeutet, dass die vertikalen Fugen jeder Reihe gegenüber der darunterliegenden Reihe um die Hälfte der Blocklänge versetzt sein müssen. Dies verzahnt die Mauer und sorgt für eine grundlegende Stabilität. Beginnen Sie die zweite Reihe daher mit einem halben Block, um diesen Versatz zu erzeugen. Stapeln Sie die Blöcke Reihe für Reihe und überprüfen Sie kontinuierlich mit der Wasserwaage, ob die Mauer senkrecht (im Lot) und waagerecht bleibt. Kleinere Korrekturen können durch leichtes Klopfen mit dem Gummihammer vorgenommen werden.
Verstärkung und Fertigstellung der Mauer
Die gestapelten Blöcke allein bieten noch keine ausreichende Festigkeit. Die endgültige Stabilität wird durch das Verfüllen der Kerne und das Auftragen des Oberflächenhaftzements erreicht.
Füllen der Hohlräume und horizontale Bewehrung
Die Hohlräume der Betonblöcke, durch die die vertikalen Bewehrungsstäbe verlaufen, werden mit flüssigem Vergussbeton oder Vergussmörtel gefüllt. Dies verbindet die Bewehrung fest mit dem Mauerwerk. Je nach Anforderung können auch weitere Kerne zur Erhöhung der Masse und Stabilität verfüllt werden. Bei längeren Mauern kann zusätzlich eine horizontale Bewehrung (z. B. Bewehrungsmatten oder -leitern) in bestimmten Reihen eingelegt werden, um die Zugfestigkeit weiter zu erhöhen.
Die Anwendung von Oberflächenhaftzement
Der Oberflächenhaftzement ist das Herzstück der mörtellosen Bauweise. Er ist kein einfacher Putz, sondern ein hochfester Baustoff, der mit Glasfasern verstärkt ist. Er verbindet die Blöcke miteinander und schafft eine durchgehende, wasserdichte und extrem stabile Schale.
Mischen Sie den Zement gemäß den Herstellerangaben mit Wasser, bis eine cremige, streichfähige Konsistenz entsteht. Befeuchten Sie die Maueroberfläche mit Wasser vor, damit die trockenen Blöcke dem Zement nicht zu schnell die Feuchtigkeit entziehen. Tragen Sie dann den Oberflächenhaftzement mit einer Glättkelle in einer Schichtdicke von etwa 3-5 mm gleichmäßig auf die gesamte Innen- und Außenseite der Mauer auf. Achten Sie darauf, alle Fugen vollständig zu bedecken. Diese Beschichtung härtet aus und bildet eine monolithische Struktur, die der Mauer ihre endgültige Festigkeit und Widerstandsfähigkeit verleiht.
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