Dioden Richtig PrĂŒfen: Eine Umfassende Anleitung

Grundlagen der Diode: Was man vor dem Testen wissen sollte

Bevor man eine Diode testet, ist es unerlĂ€sslich, ihre grundlegende Funktion zu verstehen. Eine Diode ist ein Halbleiterbauelement, das den elektrischen Strom im Wesentlichen nur in eine Richtung fließen lĂ€sst. Man kann sie sich wie ein elektronisches RĂŒckschlagventil vorstellen. Diese Eigenschaft macht sie fĂŒr viele Anwendungen in der Elektronik unentbehrlich, beispielsweise zur Gleichrichtung von Wechselstrom oder zum Schutz vor verpolter Spannung.

Jede Diode hat zwei AnschlĂŒsse: die Anode (+) und die Kathode (-). Der Strom fließt von der Anode zur Kathode. Um die PolaritĂ€t zu erkennen, ist die Kathode bei den meisten bedrahteten Dioden durch einen aufgedruckten Ring oder Streifen markiert. Bei oberflĂ€chenmontierten Bauteilen (SMD) kann die Markierung variieren, ist aber ebenfalls meist in Form einer Linie an der Kathodenseite zu finden. Das Wissen um Anode und Kathode ist fĂŒr den korrekten Test entscheidend.

Vorbereitung zur Messung: Das Richtige Werkzeug und die Sicherheitsvorkehrungen

FĂŒr die zuverlĂ€ssige PrĂŒfung einer Diode benötigen Sie ein Digitalmultimeter (DMM), das ĂŒber eine Diodentestfunktion verfĂŒgt. Diese ist auf dem Drehrad des GerĂ€ts meist mit einem Diodensymbol – einem Dreieck mit einem Strich davor – gekennzeichnet.

Sicherheit hat oberste PrioritĂ€t. Stellen Sie sicher, dass die Schaltung, in der sich die Diode befindet, vollstĂ€ndig von der Stromversorgung getrennt ist. In Schaltungen mit großen Kondensatoren sollten diese vor der Messung entladen werden, da eine Restspannung nicht nur das Messergebnis verfĂ€lschen, sondern auch Ihr Multimeter beschĂ€digen kann.

FĂŒr das genaueste Messergebnis sollte die Diode zumindest einseitig aus der Schaltung ausgelötet werden. Beim Testen „in-circuit“ (in der Schaltung) können parallel geschaltete Bauteile wie WiderstĂ€nde oder Spulen das Ergebnis stark verfĂ€lschen und eine defekte Diode als funktionierend erscheinen lassen oder umgekehrt.

Die DiodenprĂŒfung mit dem Digitalmultimeter (DMM)

Der Diodentestmodus eines Multimeters ist die bevorzugte Methode, da er eine kleine, definierte Spannung anlegt und den daraus resultierenden Spannungsabfall ĂŒber der Diode misst. Der Prozess lĂ€sst sich in drei einfache Schritte unterteilen.

Schritt 1: Das Multimeter einstellen

Schalten Sie Ihr DMM ein und drehen Sie den Wahlschalter auf das Diodensymbol. Die Messleitungen werden wie ĂŒblich angeschlossen: die schwarze Leitung in die COM-Buchse und die rote Leitung in die VΩmA-Buchse. Auf dem Display sollte nun „OL“ (Over Limit), „1“ oder ein Ă€hnliches Symbol fĂŒr einen unendlichen Widerstand angezeigt werden, da der Messkreis offen ist.

Schritt 2: PrĂŒfung in Durchlassrichtung (Forward Bias)

Die PrĂŒfung in Durchlassrichtung testet, ob die Diode den Strom wie vorgesehen leitet. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Verbinden Sie die rote Messspitze (+) mit der Anode der Diode (dem Anschluss ohne Markierung).
  • Verbinden Sie die schwarze Messspitze (-) mit der Kathode der Diode (dem Anschluss mit dem Ring).

Bei einer funktionierenden Silizium-Standarddiode sollte das Multimeter nun einen Wert zwischen ca. 0,5 V und 0,8 V (oder 500 mV bis 800 mV) anzeigen. Dieser Wert ist die sogenannte Durchlassspannung oder Schwellenspannung. Bei Schottky-Dioden liegt dieser Wert oft niedriger (ca. 0,2 V bis 0,4 V), bei Germanium-Dioden um 0,3 V. Ein solcher Messwert bestÀtigt, dass die Diode in Durchlassrichtung leitet.

Schritt 3: PrĂŒfung in Sperrrichtung (Reverse Bias)

Nun wird geprĂŒft, ob die Diode den Strom in der entgegengesetzten Richtung blockiert.

  • Tauschen Sie die Messspitzen: Verbinden Sie die schwarze Messspitze (-) mit der Anode.
  • Verbinden Sie die rote Messspitze (+) mit der Kathode.

Bei einer intakten Diode muss das Multimeter nun wieder „OL“ oder „1“ anzeigen. Dies bedeutet, dass der Widerstand unendlich hoch ist und kein Strom fließt. Die Diode sperrt erfolgreich.

Interpretation der Messergebnisse: Gut, Defekt oder Kurzgeschlossen?

Die Kombination der beiden Messungen gibt eindeutigen Aufschluss ĂŒber den Zustand der Diode:

  • Funktionierende Diode: Zeigt in Durchlassrichtung einen gĂŒltigen Spannungsabfall (z. B. 0,7 V) und in Sperrrichtung „OL“.
  • Defekte Diode (Unterbrechung): Zeigt in beiden Richtungen „OL“. Die Diode ist innerlich durchgebrannt und leitet keinen Strom mehr. Sie verhĂ€lt sich wie ein offener Schalter.
  • Kurzgeschlossene Diode: Zeigt in beiden Richtungen einen Wert nahe 0 V (oder einen sehr niedrigen Wert). Die Diode hat einen internen Kurzschluss und verhĂ€lt sich wie ein StĂŒck Draht, das den Strom ungehindert in beide Richtungen fließen lĂ€sst.
  • Leckende Diode: Ein seltenerer Fall. Die Diode zeigt zwar eine normale Durchlassspannung, aber in Sperrrichtung statt „OL“ einen messbaren, wenn auch hohen Wert. Sie sperrt nicht mehr vollstĂ€ndig und lĂ€sst einen kleinen Leckstrom fließen, was in empfindlichen Schaltungen zu Problemen fĂŒhren kann.

Alternative Testmethode: Der Widerstandsmodus

Falls Ihr Multimeter keinen Diodentestmodus besitzt, können Sie eine grundlegende PrĂŒfung auch im Widerstandsmodus (Ohm, Ω) durchfĂŒhren. WĂ€hlen Sie einen mittleren Messbereich, z. B. 2 kΩ oder 20 kΩ.

In Durchlassrichtung (rote Spitze an Anode, schwarze an Kathode) sollte ein relativ niedriger Widerstandswert angezeigt werden. In Sperrrichtung (Messspitzen getauscht) sollte ein sehr hoher Widerstand („OL“) angezeigt werden. Diese Methode ist weniger prĂ€zise als der Diodentest, da die vom Multimeter angelegte Spannung möglicherweise nicht ausreicht, um die Diode vollstĂ€ndig zu öffnen. FĂŒr eine schnelle Gut/Schlecht-EinschĂ€tzung ist sie jedoch oft ausreichend.

SonderfÀlle und Praktische Tipps

Leuchtdioden (LEDs) testen

Eine LED ist ebenfalls eine Diode. Der Test verlĂ€uft identisch. Im Diodentestmodus wird die LED bei korrekter Polung in Durchlassrichtung sogar schwach aufleuchten. Die Durchlassspannung von LEDs ist höher als bei Standarddioden und hĂ€ngt von der Farbe ab (typischerweise 1,5 V fĂŒr Rot bis ĂŒber 3 V fĂŒr Blau oder Weiß). In Sperrrichtung muss auch hier „OL“ erscheinen.

Zener-Dioden testen

Eine Zener-Diode verhÀlt sich in Durchlassrichtung wie eine normale Diode und zeigt einen Àhnlichen Spannungsabfall. Ihre spezielle Eigenschaft, die Zener-Spannung in Sperrrichtung, kann mit einem normalen Multimeter nicht getestet werden. Der Diodentest bestÀtigt aber, dass sie nicht kurzgeschlossen oder offen ist.

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